What about the band?
Wer schon mal einem Konzert von Mann-mit-Hut beigewohnt hat, der weiß, dass es da nicht
nur Musik, sondern auch allerlei unterhaltsame "G'schichtla" zu hören gibt. Die G'schichtla handeln
häufig von unbekannten Stücke-Komponisten, kehlkopferkrankten Bassisten und Tonarten, nicht selten
nehmen sie auch als Übersetzungsversuche aus dem Spanischen/Englischen ins Deutsche/Bayerische ihren
Anfang und werden dann fortgesponnen. Alles in allem bewegen sich die G'schichtla - wie so vieles -
in dem weiten Spannungsfeld von Realität und Fiktion. Das nun folgende ist weitgehend der durchaus
humoristisch bewanderten Realität entnommen.
Die Story vom Mann-mit-Hut
Fast ein Tatsachenbericht - Wer Ironie findet, darf sie behalten...
Die Anfänge von Mann-mit-Hut liegen zum einen in der Vergangenheit und zum anderen in einem Keller, genauer gesagt in einem Keller in Berg. Dort rottete sich eine kleine Meute Musiker zusammen, 4 an der Zahl, allesamt Schüler bzw. ehemalige Schüler derselben bayerischen Bildungsanstalt, in der sie Big Band Erfahrung gesammelt, und miteinander Bekanntschaft gemacht hatten. Das Ende der gemeinsamen Schullaufbahn hatte sie in alle Richtungen zerstreut, weswegen sie nun ziellos durchs Land marodierten und nur gelegentlich in besagtem Keller aufeinander trafen, um ihrer Leidenschaft zu frönen und zu jammen. Anfänglich noch in der kuriosen, aber wenig kommerziellen Erfolg verheißenden Besetzung aus Bass, Saxophon, Percussion und Schlagzeug.
Wie es der Zufall (?) wollte, liefen sich dann eines schönen Kneipenabends Sebb und Jockl über den Weg; letzterer ebenfalls ein langjähriger Freund und Big Band-Kollege aus Schulzeiten, der unverschuldet nach Berlin und dort auf die schiefe Bahn (Musikwissenschafts-Studium) gelangt war. Zwei Dumme, ein Gedanke, und so hatten wir nun auch noch einen phänomenalen Klavierspieler, und der Weltruhm war in greifbare Nähe gerückt.
Die von nun an stattfindenden Wochenend-Sessions erfuhren eine enorme musikalische Bereicherung und wurden zusehends durch exzessives Kaffeetrinken und Kuchenessen institutionalisiert. Jedoch immer noch nicht mit der Absicht einer festen Bandformation. Auch unser Repertoire folgte eher dem gepflegten "Was spiel ma denn heute?"-Prinzip und wurde allenfalls mit zufälligem Aufschlagen des Real Books ergänzt.
("Kennt ihr des?" - "Nö." - "Hast du des in Es?" - "Nö." - "Ok, spiel ma's mal!")
In einer lauen Winternacht schlichen wir - in einer geräumigen A-Klasse Platz findend - einem frustrierend langsamen Vordermann hinterher, der sowohl durch seinen Fahrstil als auch mittels einer Kopfbedeckung unsere Aufmerksamkeit erregte. So kam das Gespräch auf Männer mit Hut und Verkehrshindernisse allgemeiner Art, speziell aber auf die klischeehafte Kombination aus beidem, die da vor uns her zuckelte. Irgendjemand meinte noch, dass "Mann-mit-Hut" eigentlich ein cooler Bandname wäre.
Am 29. Januar 2005 spielten wir auf der Offenen Bühne im G6 erstmals vor Publikum - immer noch ohne konkrete Bandgründungspläne. Das erste Stück klang auch ganz gut, "Ja, hallo - äh wir haben noch keinen Namen" dagegen hochgradig unprofessionell, und so benannten wir uns spontan in "Mann-mit-Hut" um. (Womit an dieser Stelle nun auch die Frage nach dem komischen Namen geklärt wäre.)
Zu unserem großen Erstaunen rief unser halbstündiger Auftritt derartige Begeisterungsstürme hervor, dass wir in einem Anflug von Euphorie und unter dem Einfluss diverser Freigetränke beschlossen, nun doch eine feste Band zu gründen. Somit darf dieses Datum als offizieller Geburtstag von Mann-mit-Hut angesehen werden.
Ab jetzt probten wir trotz chronischen Zeitmangels und großer räumlicher Entfernung so regelmäßig wie möglich. Jockls Keller, wohl eine der ursprünglichsten Keimzellen des Jazz, sollte eine wichtige Anlaufstation werden; ebenso wie der Anbau im Hause Schmidt, der nicht nur als Proberaum, sondern auch als Küche hervorragend geeignet war. Dementsprechend konnten auch die nicht-musikalischen Nebenbetätigungen, die sich anfänglich auf Kaffe- und Zigarettenpausen beschränkt hatten, erfolgreich vertieft werden. Hinzu kamen kollektives Einkaufen, kollektives Gemüseschnibbeln und kollektives Kochen mit hohem Unterhaltungswert.
Ebenfalls weniger musikalisch, aber aus gruppendynamischen Gründen sehr wertvoll, waren Philosophieren und Weintrinken bis in die frühen Morgenstunden, auf dem Balkon in der Sonne sitzen, gemeinschaftliches Zusammenbauen von Ü-Eierfiguren, mitternächtliches Reste-Suppe-Kochen, oder der (als gescheitert zu betrachtende) Versuch, aus Küchengeräten ein adäquates Modell für die Auswirkungen des Mondes auf Ebbe und Flut zu entwickeln.
Das Transportieren von alten Heimorgeln sollte für einzelne Bandmitglieder zur willkommenen Freizeitbeschäftigung werden, ebenso wie die spontane Reinigung öffentlicher Gehwege mit Hilfe eines ausgeborgten Dampfstrahlers.
Zwischendurch traten wir tatsächlich auch auf, und am Neumarkter Altstadtfest brachten wir zum ersten Mal ein abendfüllendes Programm auf die Bühne.
Danach waren wir erstmal mit unserer persönlichen Lebensplanung derart beschäftigt, dass wir kaum noch spielten oder probten. Stattdessen zogen wir größtenteils um, hörten das Rauchen auf, und nahmen unsere (mehr oder weniger berufliche) Zukunft in Angriff. Zwar mussten wir die Achse München - Berlin aufgeben, durch geschickte Wohnortwahl konnte jedoch ein gerüttelt Maß an Dezentralität beibehalten werden. Dadurch gelang es uns zudem, der unweigerlich drohenden Gefahr einer finanziellen Rentabilität des Bandprojekts von vornherein aus dem Weg zu gehen.
Da wir durch praktisch keinen einzigen öffentlichen Auftritt von Sommer 2005 bis Frühling 2006 schlagartig im Neumarkter Raum berühmt geworden waren, legten wir eine intensive Arbeitsphase ein und wagten es schließlich, das vertraute Pflaster zu verlassen. Unser Ruf als unbekannteste Jazzband Mitteleuropas war uns bereits vorausgeeilt, und so verschlug es uns in eine der großen, nördlichen Metropolen: nach Hersbruck. Dort trafen wir zu unserer großen Freude auf einen ganzen (wenn auch kleinen) Haufen treuer Fans, und wir brachten ein fast komplett überarbeitetes Programm zu Gehör, was großen Anklang fand und uns prompt einen Folgeauftritt am Hersbrucker Altstadtfest einbrachte.
Es sollte der bis dato regenreichste Auftritt in der (noch nicht so langen) Geschichte von Mann-mit-Hut werden. Unser stilistischer Schwerpunkt hatte sich mittlerweile in eine Jazz/Funk-Ecke mit stark afrokubanischem Einschlag verschoben, und so fanden sich aller widrigen Umstände zum Trotz einige wetterfeste Zuhörer, die es an guter Stimmung nicht mangeln ließen. Open Air hat doch seinen ganz eigenen Reiz…
Nach weiteren Monaten musikalischer Bastelei im Proberaum wagten wir ein denkwürdiges Experiment, das sich mit folgender Fragestellung befasste: Wie viele Leute passen ins Kangaroo Inn? Das Ergebnis war im wörtlichen Sinn erdrückend und übertraf alle Erwartungen: Es sind verdammt viele!
Ein weiteres Experiment bestand darin, beim Landeswettbewerb Jugend jazzt teilzunehmen. Es war ein Wochenende voller Impressionen, Begegnungen und verpeilter Momente.
Leider wurde die Betti von einer schweren Grippe dahingerafft und musste sich krankheitsbedingt auf Betthüten und Daumendrücken beschränken, während wir nur zur viert in Marktoberdorf antraten.
Derartig zum Quartett geschrumpft erschien Mann-mit-Hut ungeprobt, unterbesetzt und mit einem kurzfristig über den Haufen geworfenen Wettbewerbsprogramm vor der Jury - und erhielt die zweithöchste Wertung ("mit sehr großem Erfolg teilgenommen").
So endete 2006 für uns mit einem unverhofften Highlight.
2007, das dritte Mann-mit-Hut Jahr, wurde das konzertreichste und brachte einige Neuerungen mit sich:
Im Schlosskeller Darmstadt spielten wir erstmals außerhalb Bayerns! Dort kannte uns zwar niemand, aber irgendwie wurde die Bude trotzdem voll, und wir genossen einen coolen Gig in bester Clubatmosphäre mit einem Publikum, das sich zu später Stunde als ausgesprochen tanzfreudig erwies.
Bei einer Probe in Würzburg kreuzte ein symphatischer Trompeter aus der Pfalz unseren Weg, den wir von Jugend jazzt kannten und der im Nebenberuf als fliegender Weinhändler tätig ist. Es kam zu einer spontanen Session, und so wurde die Idee zu einem gemeinsamen Konzert mit Andi geboren. Dies bescherte uns einen Haufen Arbeit für die Sommerferien, die wir mit Transponieren und Arrangieren verbrachten, um das ganze dann auch noch zu proben.
Eine Location hatte sich auch gefunden, und so kam es zu Mann-mit-Hut featuring Andi Schnell im Kangaroo Inn. Unser Gast hatte sich unmittelbar vor dem Konzert eine Grippe sowie einen Hexenschuss zugezogen, was den Highlight-Charakter jedoch keinesfalls beeinträchtigte, und überstand den Abend ansonsten unbeschädigt.
Kurz vor Weihnachten sprangen wir dann noch kurzfristig für eine andere Band auf dem Lichtermarkt in Neumarkt ein. Wieder einmal durften wir unschätzbare Erfahrungen mit dem beliebten Open-Air-Flair machen (das bei Minusgraden ganz anders ist als z.B. bei Regen...) Wir lernten, dass 2 Heizstrahler auch auf sehr kleinen Bühnen ihren Zweck weitestgehend verfehlen, ein Alt-Saxophone auch verdammt tief runter kommen kann, und dass echt was fehlt, wenn der Bassist im Stau steht und man ohne spielen muss :) Dennoch dankte man unsere Bemühungen mit warmherzigen Applaus und heißem Glühwein.
Somit darf man von einem gelungenen Abschluss für dieses eindrucksreiche Jahr sprechen.
Forsetzung folgt...